
Mainz, 26. Dezember 2018
Auswärts fahren bietet in unserem
komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges
geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln
oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte
ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige
Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine
Spätlese eben!:
01
Hin und weg
Fahre
ich am liebsten mit der Deutschen Bahn zum Auswärtsspiel, bildet die
Fahrt nach Sinsheim traditionell *hust* die Ausnahme. Seit unserem
ersten Pflichtspiel mit der ersten Mannschaft in der 2. Liga vor elf
Jahren, als es noch hoch in den Wald oberhalb von Hoffenheim ging,
fuhr ich entweder mit Freunden im PKW oder mit dem Bus nach dorthin.
Das Busangebot unserer Supporters deckt mittlerweile praktisch jedes
Auswärtsspiel ab – so auch die Auswärtsfahrt zur TSG. An dieser
Stelle ein großes Lob an die aktiven Mädels und Jungs der
Supporters, die bei jedem Heimpspiel vorkicks und nachkicks am
Fantreff sitzen und uns die Tickets für die Busse (und die Spiele)
aushändigen. Wie bei jeder Fahrt mit den Supporters treffe ich Leute
persönlich, die ich vorher nur vom Sehen oder vom Internet her
„kannte“. Die Supporters-Fahrten bieten uns allen eine wunderbare
Möglichkeit, sich mal offline und abseits des Gästeblocks
auszutauschen. Und dann im Bus tatsächlich mal wieder alte Nasen zu
treffen, mit denen man schon in Armenien der Militärkapelle
lauschte, machte die Fahrt alleine schon zu einem Vergnügen.

Kein Platz zum Unterstellen zur blauen Stunde an der A6 bei Sinsheim
02
(N)immer nuff
Die
Fahrt zum Stadion an der Autobahnausfahrt Sinsheim ist an
Attraktivität nicht zu überbieten – wenn man kurze Wege in den
Gästeblock als das Maß aller Dinge bei einer Auswärtsfahrt
ansieht. Ansonsten ist es einfach eklig bei immer nasskaltem Wetter
im Kraichgau auf dem umzäunten Busparkplatz zu verweilen. Während
die angrenzenden Parkplätze im Autoland Deutschland
Solarzellen-bestückte Überdachungen für das Allerwerteste aus
Blech und Stahl bieten, gibt es für den Auswärtsmob vor den
Sicherheitskontrollen keinerlei Unterstellmöglichkeit – es sei
denn ein Dixi geht als Schutzhütte durch.
03
Kon-Trolle
Der
Gang die Treppen nuff zu den Sicherheitskontrollen in Sinsheim kommt
mir immer wie ein Gang zur Schlachtbank vor. Von oben wirst Du
bereits von der Security fixiert, während Du Dich Stufe um Stufe
näherst und Deine nassen Füße um die Wellenbrecher herum navigierst. Oben
angekommen, war dann zumindest bei mir, wie bereits an Fastnacht, die
Kontrolle schnell passiert. Die Lässigkeit der Ordner damals bei all
den Kostümen und dem Krimskrams, den wir im Februar mitgeschleppt
hatten, war so mit das einzige Highlight am Fastnachtssamstag
gewesen.

Fastnachtstrikot und Nikolausmützen am 4. Advent - Helau und Frohe Weihnachten!
04
Kampf um den Mampf
Marketing-Menschen
suchen ja immer den einen Vorteil, den ihr Produkt gegenüber dem der
Mitbewerber inne hat. Den so genannten Unique Selling Point, kurz USP
– bei Fans steht diese Abkürzung wohl eher für Ultras St. Pauli,
deren Verein ja auch den einen oder anderen USP sehr vielen
Hippsterfans suggeriert, wobei das "Anti-fa" Duschgel zugegebenermaßen
schon ein sehr alternativloser USP ist… Auf jeden Fall gibt es
tatsächlich auch bei der TSG einen USP: Pommes Spezial, sprich mit
Mayo, Ketchup und Röstzwiebeln. Warum das nur am Fahrbahnrand der A6
möglich ist und mittlerweile Pommes im Gästeblock fast überall
verbannt sind, ist mir ein Rätsel – oder smarte Controller
haben bemerkt, dass Friteusenpommes einen niedrigeren Return on
Investment bieten als völlig überteuerte Laugenbrezeln, die man zur
Not noch beim nächsten Spiel versemmeln kann.

USP - Pommes Frites Spezial
Richtiges
Bier gibt es bei der TSG für Gäste bekanntlich nicht. Da es das
auch nicht in Freiburg gibt, beide Städte zu Baden gehören und
umgekehrt Gäste bei den Schwaben in Stuttgart richtiges Bier im
Gästeblock erhalten, liegt meine Sympathie dann doch eher bei
Württemberg als bei Baden. Dabei sind Rivalitäten vieler Vereine
mit Stuttgartern doch wesentlich größer als mit der TSG oder den
Breisgau-Brasilianern. Gibt es kein richtiges Bier, dann gibt’s
dafür halt mit Pils und Hefeweizen gleich zwei Alkoholfreie zu
Auswahl. Von einem weiteren USP würde ich hier aber nicht schreiben,
denn alkoholfreies Bier im Gästeblock bei einem Null-Risiko-Spiel
ist einfach Schikane, das Stadionerlebnis den Gästen möglichst
schön zu vermiesen.
05
Käfighaltung
Der
Blick vom Gästeblock aufs Spielfeld und rüber zur Bitburger-Kurve
(kein Witz) Hoffenheim ist zwar nicht verkehrt. Aber die direkte Nähe
zwischen Mannschaft und Fans herzustellen ist hier vollkommen
unmöglich. Das war vielleicht auch einer der Gründe, warum die
Mannschaft nach dem Abpfiff ein wenig umherirrte, und sich
schließlich dafür entschied, sich im benachbarten Sitzblock
abklatschen zu lassen. Schließlich kannten die meisten der
rot-weißen Jungs diese Ecke des Stadions ja noch gar nicht, da am
Fastnachtssamstag die Nähe zu den mitgereisten Fans bekanntlich
nicht wirklich auf ihrer Bucket-List stand. So betraten nach Abpfiff
am Tag vor Heiligabend dann viele Spieler nochmals Neuland. Aber
Schwamm drüber. Die wunderbare Entwicklung in den letzten zehn
Monaten zurück zu einer Einheit von Mannschaft, Verein und Fans zu
werden, spricht Bände. Bestes Sinnbild dafür waren die
Sandro-Schwarz-Sprechchöre nach Abpfiff, die für mich einen
wunderbaren Abschluss der Auswärtsfahrten in diesem Jahr darstellten.

Ende gut alles Gut - Vorbeischauen am Gästeblock
Fazit:
Der Jahrgang 2018/2019, der erst einen Tag vor Heiligabend produziert
wurde, hat Charakter, in dem er durch Weihnachtslieder in
Endlosschleife und eine Smartphone-Choreo gewürzt wurde und daraus
dann tatsächlich eine ganz besondere Spätlese wurde, an die sich
alle Genießer*innen sich bestimmt noch Jahre erinnern werden – zum
Wohl!
Rot-weiße Weihnachtsgrüße,
Christoph
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