
Mainz, 5. Feburar 2019
Auswärts fahren bietet in unserem
komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit, Unplanmäßiges
geschehen zu lassen, überraschend positive Erlebnisse zu sammeln
oder auch negative Erfahrungen zu machen. An dieser Stelle berichte
ich über meine rein subjektiven Eindrücke rund um die jeweilige
Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand betrachtet – eine
Spätlese eben!
01 Hin und weg:
Warum wir immer wieder sonntags in
Augsburg spielen müssen, weiß wohl nur der „Terminator“ bei der
DFL – getreu dem Motto: „Es kann nur einen geben“, den Sonntag
eben als Spieltag. Im Gegensatz zur letzten Saison, in der wir im
Vorfrühling des Aprils die schöne Stadt und das Umland der
Metropole Bayerisch-Schwabens vorkicks, bestenfalls im Biergarten,
entdecken durften, ging es diesmal gefühlt durch Sibirien aka
Schwäbische Alb am Sonntagmorgen runter in den Süden Deutschlands.
Dort angekommen, stellte ich zunächst fest, dass der Augsburger
Hauptbahnhof gefühlt mit dem BER gleichzieht. Seit Jahren wird dort
herumgewerkelt. Der Bahnhofsvorplatz ist ein Containerdorf und die
Mischung aus Bauschutt und Schneematsch lädt auch nicht gerade zum
Verweilen ein.

Leider kein Biergartenwetter in Augsburg
02 (N)immer nuff:
Obwohl ich bereits beim Pokalspiel den
Fehler gemacht habe und mit der Straßenbahn nicht frühzeitig zum
Stadion aufgebrochen bin, habe ich es wieder getan: Das Spiel erstmal
Spiel sein lassen und im Riegele Brauhaus eingekehrt. Düsseldorf mag
den längsten Tresen der Welt haben, aber die Riegele
„Biererlebniswelt“ hat sicherlich die längste Reihe an
Zapfhähnen, aus denen jeweils eine andere Sorte leckeren
Gerstensafts fließt. Am Tresen dann noch gleich einen Nullfünfer
aus Nackenheim getroffen machten wir uns gemeinsam auf, es mal wieder
mit der Straßenbahn zum Stadion zu probieren. Anders als beim
Pokalspiel, als ein Polizeieinsatz sämtlichen Bahnverkehr stoppte,
zuckelte das Bähnchen diesmal bis kurz vors Stadion. Allerdings nur
bis zum Abzweig der Hauptstrecke, da die Oberleitung auf dem
Abbringer zum Stadion vereist war. Bereits seit der Ankunft in der
Stadt schneite es unentwegt und so durften wir im Schneetreiben die
letzte Meile zum Schwabenstadion zu Fuß zurücklegen.

Fassbierauswahl im Brauhaus Riegele
03 Kon-Trolle
„Schlimmer geht immer“, dachte ich
mir in diesem Augenblick, wohlwissend, dass das Auswärtsspiel in
Augsburg immer für eine böse Überraschung gut ist. Macht der FCA
schön auf Familienclub und sonnt sich ein bisschen im
Underdock-Image gemeinsam mit Freiburg und Mainz, obwohl sie seit
Jahren von einem Mäzen alimentiert werden von dem der SCF und die
Nullfünfer nur träumen können, lässt sich deren Ordnungsdienst am
Spieltag gegen uns oft etwas „Nettes“ einfallen. Das Netteste
dieses Mal: Wir durften die Stadiontoiletten tatsächlich wieder
nutzen. Schließlich ist das in Augsburg nicht selbstverständlich,
denn Ende Oktober mussten wir noch auf Dixi-Klos ausweichen – weil
es beim Spiel davor angeblich zu Sachbeschädigungen im
Sanitärbereich gekommen war. Das mag stimmen, ist dann auch
wirklich Bockmist, aber warum im Fußball immer wieder
Kollektivstrafen en vogue sind, bleibt mir schleierhaft.

Sich endlich wieder im Stadion erleichtern - statt auf dem Dixi-Klo
04 Kampf um den Mampf
Es sind daher die kleinen Dinge im
Leben, die einem als Gästefan das Leben in Augsburg erleichtern.
Bezahlkarte, saftige Preise und alkohohlfreies Bier sorgen ohnehin
schon dafür, dass der Umsatz im Gästeblock zu vernachlässigen ist.
Aber wenigstens ist es möglich, die Bezahlkarte bereits während der
Halbzeitpause zurückzugeben und sich somit ein Schlangestehen im
Schneematsch nachkicks zu ersparen.

Schnee im Gästeblock
05 Käfighaltung
Der Gästeblock im Schwabenstadion ist
ziemlich steil angelegt. Das merkt man entweder, wenn man vorkicks im
Riegele Brauhaus sämtliche neun Fassbiersorten nicht mittels
0,1l-Probierangebot sondern in der traditionellen Nullfünfer-Edition
getestet hat oder halt bei heftigem Schneefall das Erlebnis Stadion
genießen möchte. Der Bereich unter dem Mundloch war mit einer 5 cm
hohen Schneedecke bedeckt. Die Stufen fühlten sich an, als ob sie
mit Schmierseife versehen wurden. Auch oberhalb des Mundlochs war es
extrem rutschig. Die Wellenbrecher alle drei oder vier Reihen hätten
einem im Falle eines Falles wenig geholfen. „Safe Standing“ bei
Schneematsch ist in Augsburg nicht drin. Und wieder waren es dann die
kleinen Dinge, über die man sich schließlich in der Fuggerstadt am
Ende freute. Während die Nullfünfer sich auf dem Platz gegen die
Wintersport-erfahrenen Spieler des FCA erfolglos abmühten, gelang es
den Mitarbeitern der Augsburger Verkehrsgesellschaft in der
Zwischenzeit die Oberleitung zu enteisen, so dass es dann doch recht
schnell wieder in die Innenstadt zum Brauhaus Riegele ging.
Fazit: Die
Eiswein-Edition Jahrgang 2018/2019 führt einfach zu einem dicken
Kopf, aber alles andere hätte in Augsburg an ein Wunder gegrenzt –
zum Wohl!
Rot-weiße Grüße,
Christoph – Meenzer on Tour
|