Mainz, 24. Oktober 2018
Auswärts
fahren bietet in unserem komplett verplanten Alltag eine Möglichkeit,
Unplanmäßiges geschehen zu lassen, überraschend positive
Erlebnisse zu sammeln oder auch negative Erfahrungen zu machen. An
dieser Stelle berichte ich über meine rein subjektiven Eindrücke
rund um die jeweilige Auswärtsfahrt, jeweils mit ein wenig Abstand
betrachtet – eine Spätlese eben!
01
Hin und weg:
Manchmal sind Sonntagsspiele gar nicht
so schlecht. Etwa, wenn man auf Einladung seines indischen
Geschäftspartners bis Samstagmorgen in Mumbai lecker Essen darf und
es schafft, das Auswärtsspiel am Sonntagabend mit einem ansehnlichen
Mob aus Mainz zu besuchen. Eine Anreise von 6.730 Kilometern, um mal
wieder ein Auswärtsspiel zu besuchen, nimmt man doch gerne mal in
Kauf, wenn alle mitspielen. Nicht mitgespielt hat die Deutsche Bahn,
die den letzten ICE des Tages von Düsseldorf ins Rhein-Main-Gebiet
strich, statt ihn über die Rheinstrecke umzuleiten. Das traf genau
meinen Humor, weil die Bahn gleichzeitig bekannt gab, dass die
Schnellfahrstrecke, die wegen eines ausgebrannten ICE-Wagons tagelang
gesperrt gewesen war, nun wieder befahrbar sei. Ich bekam auch keinen
„Verspätungsalarm“ als Push-Mitteilung geschickt. Das lag
vielleicht daran, dass es ja auch keine Verspätung, sondern eine
Zugstreichung gab. Dadurch durfte ich noch eine Nacht in Düsseldorf
dranhängen. Fortuna-Fans, mit denen ich dieses fußballerische
Horrorwochenende begießen hätte können, traf ich leider keine
mehr…

Abfahrt in Mumbai
02
(N)immer nuff:
Mönchengladbach Hauptbahnhof ist mit
der heruntergekommenste Bahnhof der Republik. Überall werden die
Bahnhöfe aufgemotzt nur an Gladbach fährt der Zug der
Modernisierung ohne Halt vorbei. Die ganze Umgebung um den Bahnhof
herum hat den Charme einer Grenzstadt. Dafür ist der Bustransfer zum
Stadion routinemäßig gut organisiert. Auffallend in Gladbach ist
immer wieder die Kuttendichte in den Bussen. Die vielen Jungs und
wenigen Mädels gehen wohl schon seit den goldenen 70ern nuff – mit
Kutte natürlich!

Streetart in Gladbach
03
Kon-Trolle
Diesmal ging es ohne Tablet in den
Gästeblock. Die Kontrolle verlief vollkommen unspektakulär und ohne
großes Gehabe. Angenehm! Weniger angenehm waren letzte Woche die
Hausdurchsuchungen für einige 05-Fans. Da ich die Hintergründe
nicht kenne, möchte an dieser Stelle lieber auf die Existenz der
Mainzer Fanhilfe hinweisen. Diese hat zu den Durchsuchungen auch
Stellung bezogen.

Fanhilfe ist immer eine gute Idee
04
Kampf um den Mampf
Ich wurde zwar von vielen schief
angeguckt, warum ich mir das Bolten Altbier gebe. Aber die
Alternative aus Bitburg gibt es ja auch bei uns zu Hause, wie gefühlt
in mindestens zehn weiteren Stadien der Republik. Das Bolten ist wohl
auch das einzige Bier in der Liga, das tatsächlich noch aus der
Region stammt, wenn man mal das Kölsch in Köln weglässt, (da die
ja eh 2. Liga spielen). Denn selbst in Leverkusen wird zwar nahezu im
ganzen Stadion Gaffel ausgeschenkt; im Gästeblock jedoch nur Bit
angeboten. Angenehm waren auch die fehlenden Schlangen vor den Buden
und die Barzahlung.

Bolten...lecker Altbier
05
Käfighaltung
Der Gästeblock in Gladbach ist für
mich einer der besseren der Liga: kurze Wege zur Futterkrippe und zur
Pippibox, dazu einigermaßen steil und er bietet einen guten Blick
aufs Spielfeld. Sehr positiv: Auch in Gladbach stellt man sich von
Vereinsseite gegen Rassismus. Während ein Großteil des
Fernsehpublikums, für das ja schließlich der Bundesliga-Fußball
veranstaltet wird, nach dem einen oder anderen Tor kein Bock mehr auf
dieses Spiel hatte, supportete der Auswärtsmob unbeeindruckt weiter:
Die Mannschaft schließlich mit Applaus und ohne Häme auf die
Rückreise in die goldene Stadt zu schicken, ist definitiv mein Mainz
05!

Blick aus dem Käfig
Fazit: Der
Jahrgang 2018/2019 besticht durch die lange Anreise,
ergebnisunabhängig guten Support und bestes Kuttenwatching – zum
Wohl!
Rot-weiße Grüße,
Christoph – Meenzer on Tour
|